Insulinresistenz

warum der Stoffwechsel oft lange aus dem Gleichgewicht gerät, bevor wir es merken

Viele Menschen verbinden Insulinresistenz ausschließlich mit Diabetes. Mit starkem Übergewicht. Mit „zu viel Zucker“.

Im Gespräch mit Dr. med. Elke Lorenz wurde jedoch deutlich, dass dieses Bild zu kurz greift. Insulinresistenz ist weniger eine Diagnose als vielmehr ein Prozess – einer, der sich über Jahre entwickelt und dabei unbemerkt zentrale Stoffwechselmechanismen verändert.

Gerade für Menschen jenseits der 40 ist das relevant, weil sich in dieser Lebensphase häufig mehrere Faktoren überlagern: beruflicher Stress, Schlafmangel, weniger Bewegung als früher, vielleicht erste hormonelle Veränderungen. Das alles beeinflusst die Insulinwirkung – oft stärker als ein einzelnes Stück Kuchen.

Was im Körper tatsächlich passiert

Insulin hat die Aufgabe, Glukose aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Dort wird sie entweder zur Energiegewinnung genutzt oder gespeichert. Besonders die Muskulatur spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil sie der größte „Zuckerabnehmer“ im Körper ist.

Werden Muskelzellen jedoch über längere Zeit wenig genutzt – etwa durch Bewegungsmangel – reagieren sie weniger sensibel auf Insulin. Der Körper kompensiert das, indem er mehr Insulin ausschüttet. Der Blutzucker bleibt zunächst vielleicht noch im Normbereich, aber im Hintergrund steigt der Insulinspiegel dauerhaft an.

Genau hier beginnt das Problem. Eine Insulinresistenz bedeutet fast immer auch eine sogenannte Hyperinsulinämie – also dauerhaft erhöhte Insulinwerte. Und diese wirken entzündungsfördernd.

Das erklärt, warum Insulinresistenz heute als zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber, arterielle Gefäßveränderungen und chronisch stille Entzündungen gilt. Arteriosklerose ist keine reine Cholesterinfrage, sondern ein entzündlicher Prozess. Und chronisch erhöhte Insulinspiegel sind ein Teil dieses Mechanismus.

Der unterschätzte Faktor: Schlaf und Stress

Besonders eindrücklich war im Interview die Rolle von Schlaf und zirkadianem Rhythmus. Studien zeigen, dass bereits eine einzige Nacht mit suboptimalem Schlaf die Insulinsensitivität messbar verschlechtern kann. Dabei geht es nicht nur um die Dauer, sondern auch um Lichtverhältnisse und die Qualität der Nachtruhe.

Hinzu kommt Stress. Cortisol, unser zentrales Stresshormon, signalisiert der Leber, Glukose bereitzustellen – unabhängig davon, ob wir sie gerade benötigen. Chronischer Stress kann daher zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, selbst bei scheinbar „gesunder“ Ernährung. Wer regelmäßig unter Druck steht, trainiert seinen Stoffwechsel im wahrsten Sinne des Wortes auf Alarm.

Das erklärt auch, warum Insulinresistenz kein reines Ernährungsthema ist. Sie ist ein Lifestyle-Thema im umfassenden Sinn: Bewegung, Regeneration, Licht, Stressmanagement und Essverhalten greifen ineinander.

Warum Standard-Blutwerte oft zu spät reagieren

Viele Menschen verlassen sich auf den Nüchternblutzucker. Das Problem: Er bleibt häufig lange unauffällig, obwohl bereits eine Insulinresistenz besteht.

Aussagekräftiger sind Werte wie:

  • Nüchterninsulin

  • der HOMA-Index (Kombination aus Nüchternblutzucker und Insulin)

  • HbA1c

  • bei Bedarf ein kombinierter Glukose-Insulin-Belastungstest

Diese Werte geben einen differenzierteren Einblick in die Stoffwechsellage. Gerade im präventiven Kontext ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung für die eigene langfristige Gesundheit.

Kann man gegensteuern?

Ja. Und das ist die entscheidende Botschaft.

Insulinsensitivität ist trainierbar. Muskeltraining verbessert nachweislich die Glukoseaufnahme, selbst unabhängig vom Körpergewicht. Regelmäßige Bewegung wirkt wie ein natürlicher „Insulinverstärker“.

Ebenso wichtig sind stabile Schlafrhythmen, Licht am Morgen, Dunkelheit am Abend und bewusste Stressregulation. Auch zeitlich strukturierte Essensfenster oder gezielte Phasen reduzierter Kohlenhydratzufuhr können helfen, die metabolische Flexibilität wiederherzustellen.

Es geht dabei nicht um Extreme oder kurzfristige Programme, sondern um die schrittweise Rückkehr zu physiologischen Grundprinzipien. Der Körper reagiert erstaunlich schnell, wenn er die richtigen Signale bekommt.

Warum uns dieses Thema so wichtig ist

Im Activ Centrum sprechen wir häufig von „chronischer Gesundheit“. Gemeint ist damit nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein stabiler, belastbarer Stoffwechsel, der auch in stressigen Lebensphasen flexibel reagieren kann.

Insulinresistenz ist kein Randphänomen. Sie ist einer der zentralen Mechanismen moderner Zivilisationserkrankungen – und gleichzeitig einer der am besten beeinflussbaren.

Wer früh versteht, wie diese Prozesse zusammenhängen, kann gezielt handeln. Nicht erst, wenn Laborwerte entgleisen, sondern lange davor.

Das vollständige Interview mit Dr. med. Elke Lorenz findest Du unter diesem Text. Darin geht es unter anderem um konkrete Blutwerte, typische Fehleinschätzungen und praktikable Strategien für den Alltag.

Denn Prävention beginnt nicht mit Verzicht.
Sie beginnt mit Verständnis.

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